«Grundgesetz einfach übergestülpt»: 

netzeitung.deMüntefering regt gesamtdeutsche Verfassung an

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Franz Müntefering verurteilt die DDR, nicht die DDR-Bürger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Franz Müntefering verurteilt die DDR, nicht die DDR-Bürger
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Mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten sollte eigentlich eine gemeinsame Verfassung das «Grundgesetz» ersetzen. Doch selbst zwei Jahrzehnte später ist davon nichts zu sehen - jetzt spricht der SPD-Chef das Thema an.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat eine Diskussion darüber angeregt, ob Deutschland 20 Jahre nach dem Fall der Mauer eine gesamtdeutsche Verfassung benötigt. «Bei manchen Ostdeutschen spüre ich Skepsis», sagte er der «Bild am Sonntag» und fügte hinzu: «Nicht gegenüber den Inhalten des Grundgesetzes, aber sie sagen: 'Eigentlich war doch vorgesehen, dass es nach der Einheit eine gemeinsam erarbeitete Verfassung gibt, deshalb hat die Bundesrepublik ja nur ein Grundgesetz. Aber Ihr habt uns Euer Grundgesetz einfach übergestülpt, anstatt eine gemeinsame Verfassung zu schaffen.' Das muss man aufarbeiten.»

Bei der deutschen Einheit wurden nach Münteferings Worten Fehler gemacht. «Das Ganze leidet darunter, dass wir 1989/90 nicht wirklich die Wiedervereinigung organisiert haben, sondern die DDR der Bundesrepublik zugeschlagen haben», wurde der SPD-Vorsitzende zitiert. «Das ist nicht aufgearbeitet.»

«Viele Ostdeutsche haben das Gefühl, dass wir sie nicht immer als Gleichwertige behandelt haben wegen des DDR-Systems, für das die allermeisten ja nichts konnten», übte Müntefering zugleich Kritik an der Haltung vieler Westdeutschen. «Sie wollen in ihrer Lebensleistung bestätigt sein. Dass wir sagen: Ja, ihr habt wie wir Kinder groß gezogen, ja, ihr seid nicht weniger tüchtig wie wir.» Es sei wichtig und hilfreich, dass Ossis und Wessis darüber offen sprächen.

Der SPD-Chef verurteilte die DDR als Unrechtsstaat und Diktatur, «es gab einen Schießbefehl, die Menschen waren eingesperrt. Das darf man nicht verniedlichen.» Gleichzeitig warnte Müntefering aber vor einer Pauschalverurteilung der DDR-Bürger: «Die allermeisten Menschen, die in der DDR gelebt haben, hatten keinen Dreck am Stecken. Sie haben versucht, so menschlich zu leben, wie es eben ging.»

Diejenigen, die sich nichts zuschulden kommen ließen, hätten «ein Recht, stolz zu sein auf das, was sie unter schweren Bedingungen geleistet haben». Die Westdeutschen hätten nach dem Krieg mehr Glück gehabt, weil ihnen die Alliierten zu Wohlstand und Demokratie verhalfen. (dpa/AP)